Ich hasse es, wenn ich jemanden vor mir habe, der mich angrinst und (zu Recht) sagt: “Ich habe es Dir gesagt.” … und nun könnte ich selber einer von ihnen sein.
Was sich am Sonntag in Nordrhein-Westfalen abgespielt hat, zeigt deutlich, dass der Trend weg geht vom politischen Inhalt, hin zum polemischen Spruch, die Brachial-Comedy der Privatsender ist in der Politik angekommen.
Sind wir ehrlich. Es interessiert niemanden, ob es eine Regierung Rüttgers-Pinkwart in den vergangenen fünf Jahren geschafft hat, den im Wandel befindlichen Problemstandort “Ruhrpott” klug und vorausschauend zu lenken, niemand schert sich um die Beweggründe für einen Wandel in der Schulpolitik, den nahezu verbissenen Kampf um die Köpfe der Kinder, denen man nach bestem Wissen und Gewissen die besten Bildungschancen verschaffen wollte. Es ging auch nicht um die Frage des Strukturwandels in einer Region, die sich vom Land des schwarzgesichtigen Arbeiters in einen Technologie-Standort wandeln MUSS, damit sie zukunftsfähig ist.
Nein, um all dies ging es nicht.
“Es ist uns nicht gelungen, unsere Arbeit überzubringen” konstatiert Noch-Ministerpräsident Rüttgers vor laufenden Kameras und ich sitze vor dem Bildschirm und nicke. “Stimmt Junge, das ist euch nicht gelungen!”
Auf der Welle des allgemeinen Unverständnisses für das, was sich im Bereich der Bundes- und Europapolitik abspielt, surften die Grünen und Linken in den Düsseldorfer Landtag. Ihr Transportmittel? Einfache, kurze Sätze. Keine komplexen Sachverhalte und wenn doch, dann bitte so formuliert, dass jeder, aber auch wirklich jeder versteht, was man “eigentlich” will.
Die Menschen haben Angst. Sie hören Zahlen, die sie sich nicht mehr vorstellen können und von denen sie lediglich wissen, dass sie so wahnsinnig viel Geld bedeuten, dass ihnen bestenfalls schwindelig wird. Wenn die Liberalen von Steuerentlastungen sprechen, übertönen die Trompeten der Opposition mit einfachen Bildern den Versuch, in Ruhe darzulegen, woher das Geld denn nun kommen soll, vor lauter Getöse, angesichts der Wirtschaftslage seien diese Pläne nicht zu realisieren, kann man die viel zu ruhige und sachliche Erläuterung von Steuerfachleuten der Liberalen wie Hermann-Otto Solms gar nicht mehr hören und vor allem: nicht mehr verstehen.
“Was ist mein Euro morgen noch Wert?” titelte die Bildzeitung am Sonntag und DAS ist eine Sprache, die allgemein verstanden wird. Diese Sprache haben sich mittlerweile auch andere zu Nutze gemacht, vor allem die Linke spricht sie fließend. Und wir werden Zeugen eines Phänomens. Auch hier interessiert sich niemand für den wahren Sachverhalt, für die Realität hinter den markigen Sprüchen.
In einer Welt der komplexen wirtschaftlichen Zusammenhänge, in der es zunehmend schwer fällt, die Zusammenhänge zwischen dem Preis meines Frühstücksbrötchens und der griechischen Staatsverschuldung auseinanderzudröseln, wollen die Menschen Gesichter, denen sie anzusehen glauben, dass man es Ernst mit ihnen meint, dass man sie nicht belügt, dass man sie mitnimmt und ihnen erklärt, was da gerade vor sich geht, gleich einer Mutter, die nicht nur sagt: “Fass das nicht an,” sondern auch “das ist heiss!”
Die Menschen in NRW haben gewählt und an ihrer Wahl kann man die Verwirrung, die Unsicherheit ablesen. Wer immer sich als Wahlsieger feiern lässt, wer immer zum Verlierer erklärt wird, verloren haben vor allem diejenigen, die den Kontakt zum Wähler verloren haben und das sind, betrachtet man es nüchtern, so ziemlich alle.
In dieser Woche werden sich wieder alle in ihren Parteizentralen treffen und bei Unmengen Kaffee, Tee und Wasser darüber sinnieren, wie es nun weitergehen kann und soll, was man aus diesem Ergebnis lernen kann und muss.
Die Liberalen sind lernfähig. Ich bin hartnäckig. Ich werde versuchen, sie alle mitzunehmen und ihnen zu erklären, was eigentlich los ist, warum wir welche Entscheidungen treffen. Zuhören müssten Sie mir schon…. und den Lärm so manch eines Schreihalses ausblenden…. wenigsten so lange, bis ich fertig erklärt habe. Danke
Foto: Tommy S. / PIXELIO.de

